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Ratgeber

Brillenpass lesen: Was Ihre Werte wirklich bedeuten

Auf Ihrem Brillenpass stehen ein paar Abkürzungen, Plus- und Minuszeichen und Zahlen mit Komma — erklärt hat sie Ihnen vermutlich nie jemand in Ruhe. Hier gehen wir jede Zeile durch: was sie bedeutet, wann sie wichtig wird und woran Sie merken, dass eine Angabe fehlt.

Zuletzt aktualisiert: 2026-09-20 Smile Optik · Ihr Deutscher Optikermeister

Der kleine Zettel — warum sich ein Blick darauf lohnt

Der Brillenpass ist die Karte, die Sie beim Kauf Ihrer letzten Brille bekommen haben. Bei den meisten liegt sie ungelesen im Etui. Dabei steht darauf alles, was ein Optiker braucht, um Ihnen eine neue Brille zu fertigen.

Die Werte sind kein Geheimwissen. Wenn Sie die fünf oder sechs Abkürzungen einmal verstanden haben, sehen Sie selbst, ob etwas fehlt, ob sich Ihre Augen verändert haben und ob das, was Ihnen jemand vorschlägt, überhaupt zu Ihren Werten passt.

Vor einer Reise ist das besonders nützlich: Sie merken schon zu Hause, ob Ihr Pass vollständig ist — und nicht erst im Geschäft.

Kleiner Handgriff vor der Anreise: Fotografieren Sie Ihren Brillenpass mit dem Handy. Ein Foto in der Galerie hat noch niemand zu Hause vergessen — und Sie können es uns bei Bedarf einfach per WhatsApp schicken.

Erst die Zeilen: R und L

Fast jeder Pass ist gleich aufgebaut. Links stehen die Zeilen für die beiden Augen, oben die Spalten für die einzelnen Werte.

  • R oder OD (oculus dexter) — Ihr rechtes Auge.
  • L oder OS (oculus sinister) — Ihr linkes Auge.
  • Ferne und Nähe — viele Pässe führen beide Bereiche getrennt auf, jeweils mit eigenen Werten.

Ganz normal: Die beiden Augen haben fast nie exakt dieselben Werte. Wichtig ist nur, dass die Zeilen nicht vertauscht werden — eine seitenverkehrt eingearbeitete Brille merken Sie sofort.

Sphäre (SPH): kurzsichtig oder weitsichtig

Die Sphäre ist der Hauptwert. Sie wird in Dioptrien angegeben, meist in Schritten von 0,25, und trägt immer ein Vorzeichen.

  • Minus (−) — Kurzsichtigkeit: In der Nähe sehen Sie gut, in der Ferne wird es unscharf.
  • Plus (+) — Weitsichtigkeit: Die Ferne ist meist klarer, dafür strengt das Sehen in der Nähe an.

Wenn dort 0,00 oder „plan" steht: Dann braucht dieses Auge in der Sphäre keine Korrektur. Das heißt nicht, dass die Zeile leer bleiben darf — Zylinder und Achse können trotzdem eingetragen sein.

Zylinder (CYL) und Achse (A): die Hornhautverkrümmung

Diese beiden Werte gehören untrennbar zusammen. Der Zylinder gibt an, wie stark Ihre Hornhaut von der gleichmäßig runden Form abweicht. Die Achse sagt, in welcher Richtung — als Gradzahl zwischen 0 und 180.

Haben Sie keine Hornhautverkrümmung, bleibt das Feld leer oder es steht 0,00 darin. Die Achse hat dann keine Bedeutung.

Eine Besonderheit sorgt regelmäßig für Verwirrung: Derselbe Wert lässt sich sowohl in Plus- als auch in Minuszylindern schreiben. Zwei Pässe können deshalb auf den ersten Blick völlig unterschiedlich aussehen und trotzdem exakt dasselbe Glas beschreiben. Umrechnen muss das der Fachmann, nicht Sie.

Achtung bei Lücken: Ein Zylinder ohne Achse ist nicht verwertbar, und eine Achse ohne Zylinder ergibt keinen Sinn. Fehlt einer der beiden Werte, muss vor der Anfertigung gemessen werden.

Addition (ADD): der Wert, der ab Mitte vierzig dazukommt

Irgendwann zwischen 40 und 50 lässt die Fähigkeit des Auges nach, schnell von fern auf nah umzustellen. Das ist keine Krankheit, sondern eine völlig normale Veränderung — und genau dafür steht die Addition.

Sie ist immer ein Pluswert und wird zur Ferne hinzugerechnet. Auf dem Pass steht sie als ADD, als „Add." oder als eigene Zeile „Nähe". Für beide Augen ist sie in der Regel gleich.

Die Addition allein macht allerdings noch keine Gleitsichtbrille. Wie gut ein solches Glas funktioniert, hängt zusätzlich vom Glasdesign ab und davon, wie genau die Sehzonen vor Ihren Pupillen sitzen. Zahlen auf Papier ersetzen die Anprobe nicht.

Pupillendistanz (PD): der Wert, der am häufigsten fehlt

Die PD ist der Abstand Ihrer Pupillen in Millimetern. Sie steht entweder als eine Zahl — etwa 63 — oder getrennt für beide Augen, zum Beispiel 32/31, weil kaum ein Gesicht ganz symmetrisch ist.

Dass die PD auf vielen Pässen fehlt, hat einen harmlosen Grund: Sie gehört nicht zur Augenmessung, sondern zur Anpassung der Brille. Nachmessen dauert wenige Minuten.

Bei Gleitsicht- und Arbeitsplatzgläsern reicht die PD allein ohnehin nicht aus. Dort wird zusätzlich die Höhe bestimmt — mit genau der Fassung, die Sie nehmen, auf Ihrer Nase. Solche Gläser lassen sich deshalb nie seriös „nur nach Zettel" fertigen.

Prisma, Basis und die übrigen Kürzel

Auf manchen Pässen stehen weitere Angaben. Sie betreffen jeweils nur einen Teil der Brillenträger, sind dann aber entscheidend:

  • Prisma (pr, Δ) und Basis (B) — eine gezielte Lichtablenkung im Glas, damit beide Augen zusammenarbeiten. Wird sie beim Nachbau vergessen, fühlt sich die neue Brille von Anfang an falsch an.
  • HSA — der Abstand zwischen Glasrückfläche und Auge. Bei höheren Stärken macht er einen spürbaren Unterschied.
  • Glasbezeichnung, Index und Veredelung — welches Glas verarbeitet wurde, wie dünn es ist und welche Beschichtungen es trägt.

Diese letzte Zeile zählt im Nachhinein am meisten: Nur wenn Hersteller, Glastyp, Brechungsindex und Beschichtung schriftlich festgehalten sind, lässt sich später nachvollziehen, was tatsächlich in Ihrer Fassung steckt. Bestehen Sie darauf — bei uns wie bei jedem anderen Optiker.

Wie aktuell muss Ihr Pass sein — und was er nicht leistet

Als grober Anhaltspunkt gilt: Werte, die älter als ein bis zwei Jahre sind, sollten vor einer neuen Brille überprüft werden. Sehen Sie abends schlechter oder bekommen Sie beim Autofahren Kopfschmerzen, spielt das Datum keine Rolle — dann lohnt die Messung sofort.

Und ein Punkt, den wir lieber deutlich sagen: Ein Brillenpass ist keine Untersuchung Ihrer Augengesundheit. Er beschreibt nur, wie Ihr Auge Licht bündelt. Augeninnendruck, Netzhaut und Hornhaut gehören zum Augenarzt — in Deutschland ebenso wie in der Türkei. Eine neue Brille ersetzt diese Kontrolle nicht, auch wenn Sie danach wieder gut sehen.

Häufige Fragen

Was bedeuten Plus und Minus im Brillenpass?

Ein Minus vor der Sphäre steht für Kurzsichtigkeit: Die Ferne ist unscharf, in der Nähe sehen Sie gut. Ein Plus steht für Weitsichtigkeit, bei der vor allem das Sehen in der Nähe anstrengt. Je größer die Zahl, desto stärker die Korrektur.

Reicht mein Brillenpass, um eine neue Brille anfertigen zu lassen?

Für Einstärkengläser in der Regel ja, sofern Sphäre, Zylinder, Achse und Pupillendistanz vollständig und nicht zu alt sind. Für Gleitsicht- und Arbeitsplatzgläser wird zusätzlich an der gewählten Fassung gemessen, weil die Sehzonen genau vor den Pupillen sitzen müssen.

Warum steht die Pupillendistanz nicht auf meinem Brillenpass?

Weil die PD zur Anpassung der Brille gehört und nicht zur Augenmessung. Sie fehlt deshalb häufig und lässt sich vor Ort in wenigen Minuten nachmessen. Ein Grund zur Sorge ist das nicht.

Sind Brillenwerte und Kontaktlinsenwerte identisch?

Nein. Eine Kontaktlinse sitzt direkt auf dem Auge, ein Brillenglas einige Millimeter davor — deshalb unterscheiden sich die Werte, besonders bei höheren Stärken. Auf der Linsenverpackung stehen zudem Radius und Durchmesser, die für eine Brille keine Rolle spielen.

Was mache ich, wenn ich meinen Brillenpass verloren habe?

Die Werte lassen sich aus Ihrer vorhandenen Brille auslesen, solange mindestens ein Glas erhalten ist, oder neu bestimmen. Alternativ geben viele Optiker die Werte auf Anfrage heraus.

Wie alt darf mein Brillenpass sein?

Ein bis zwei Jahre sind ein sinnvoller Anhaltspunkt. Hat sich Ihr Sehen verändert, gilt das Datum nicht: Dann sollten die Werte neu bestimmt werden, bevor eine neue Brille gefertigt wird.

Weitere Ratgeber

Nicht sicher, ob Ihre Werte vollständig sind?

Schicken Sie uns ein Foto Ihres Brillenpasses per WhatsApp. Wir sagen Ihnen auf Deutsch, was darauf steht und ob etwas fehlt — in Ruhe, bevor Sie anreisen.